Adaptation Futures 2016 – Zukunft der Anpassung

Martin Schönhart

Adaptation Futures 2016 war die vierte internationale Konferenz zur Klimawandelanpassung – abgehalten vom 10. – 13. Mai in Rotterdam. Einen besseren Ort für eine solche Tagung kann man kaum finden. Einerseits sind die Niederländer seit Jahrhunderten Meister der Anpassung – denkt man an Ihre Ingenieursleistungen im Bau von Deichen oder der Gemüsekultivierung in Glashäusern. Andererseits verfügt Rotterdam darüber hinaus über einen der wichtigsten globalen Häfen für den Ernährungssektor und Agrarhandel ist auch eine (globale) Anpassungsmaßnahme an den Klimawandel. Die Niederlande waren 2014 mit 108 Mrd. US $ der weltweit zweitgrößte Lebensmittelexporteur nach den USA. Der überwiegende Anteil davon sind Re-Exporte über den Hafen von Rotterdam.

Eine Besonderheit der AF 2016 ist ihr Publikum: 1.600 Menschen aus den Bereichen Wissenschaft, Verwaltung, Politik, NGOs, Industrie und Gewerbe präsentieren und debattieren Anpassungsmöglichkeiten von der lokalen bis globalen Ebene: städtisches Design und Infrastruktur, Landwirtschaft, Gewässer, öffentliche Gesundheit, Ökosysteme und Katastrophenschutz sind ausgewählte Themen. Zu den TeilnehmerInnen aus Österreich zählt neben wissenschaftlichen Einrichtungen das Umweltbundesamt, das sich auf europäischer Ebene in der Thematik der Klimawandelanpassung engagiert.

Die Konferenz wurde natürlich von den Ergebnissen der COP21 in Paris dominiert. TeilnehmerInnen zeigen sich enthusiastisch und mahnen gleichzeitig Anpassungsaktivitäten ein: trotz des sehr ambitionierten Zieles einer maximalen Steigerung der globalen Durchschnittstemperatur „well below“ 2°C braucht es sofortige Maßnahmen. Auf die absolute Sicherheit wissenschaftlicher Ergebnisse zur Effektivität von Anpassungsmaßnahmen kann nicht gewartet werden. Für erste Schritte weiß man genug.

Öfters taucht das Begriffspaar der Klimawandelvermeidung und –anpassung gemeinsam in den Debatten der Konferenz auf. In seiner extremsten Ausprägung fällt das Argument, dass Anpassungsmaßnahmen den Klimawandel nicht zusätzlich vorantreiben dürfen. Diese Perspektive ist zu hinterfragen. Klimaschutz ist eines – wenngleich vorrangiges – von vielen Umweltschutzzielen. Sollen rationale Entscheidungen getroffen werden, so muss die Vorteilhaftigkeit einer Anpassungsmaßnahme gegen die Gesamtheit wohlfahrtsbeeinflussender Wirkungen aufgewogen werden. Sie kann zweckmäßig sein, selbst wenn sie die Energiebilanz der Erde erhöht.

Der Wissensstand zur Klimawandelanpassung wuchs in den letzten Jahren sprunghaften. Ein Ausblick auf die Herausforderungen der nächsten Jahre aus der Perspektive der Modellierer scheint klar: Wir müssen einerseits zeigen, welche Vermeidungs-Maßnahmen es braucht, um das <2°C Ziel zu erreichen. Das hieße nichts anderes als auf dem niedrigsten der von der IPCC entwickelten Emissionspfade – d.h. RCP 2.6 – zu bleiben (Representative Concentration Pathway). Andererseits braucht es Analysen zum Pfad, auf dem sich die Weltgemeinschaft derzeit befindet – nämlich dem höchsten der von der IPCC skizierten: RCP 8.5. Forschung zur Klimawandelanpassung und finanzielle Unterstützung von Anpassungsmaßnahmen brauchen einen klaren Schwerpunkt auf die Länder des globalen Südens: Es ist grotesk, dass Menschen in Entwicklungsländern mit dem geringsten Beitrag zum Klimawandel den größten Schaden zu erwarten haben und sich dagegen aus finanziellen und anderen Gründen am wenigsten schützen können.

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Kategorie: Bericht Veranstaltungen

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