Meine Lieblings-Review-Guidelines

Ulrich Morawetz

Photo: Wolfgang Gaggl

wer Artikel publiziert, wird früher oder später gebeten auch selbst Manuskripte zu reviewen. Überraschenderweise gibt es bei den meisten agrarökonomischen Journals kaum Vorgaben dafür.

Jedoch bieten manche der großen Verlage ausführliche Hilfestellungen (Elsevier, Wiley). Zusätzlich gibt es eine Unzahl an Guidelines von Journal Editoren (z.B. D.J. Pannell, Editor vom Australian Journal of Agricultural and Resource Economics).

Am überzeugendsten finde ich jedoch die Guidelines von JB Berk, CR Harvey und D Hirshleifer. [Nachtrag: der Artikel ist nun im Journal of Economic Perspectives erschienen] Hält man sich an deren Guideline, so konzentriert sich der Reviewer-Bericht auf folgende Punkte:

*Relevanz des Manuskripts: Ein Manuskript kann fehlerfrei sein, aber der Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs nicht ausreichend für das entsprechende Journal. Dies ist natürlich stark subjektiv.

*Probleme, die das Manuskript unpublizierbar machen: Wichtig ist, dass der Fehler wissenschaftlich belegt wird und nicht im Rahmen einer Überarbeitung behoben werden kann. Bei einem theoretisch orientierten Manuskript könnte das etwa ein substantieller Fehler in einem Beweis sein. Bei einem empirischen Manuskript könnte etwa die nicht erfüllte Annahme über die Exogenität einer Variable ein solcher Fehler sein.

*Probleme, die das Manuskript in der derzeitigen Form unpulizierbar machen aber behoben werden können: Fehler wie oben, die jedoch von den AutorInnen in einer Überarbeitung korrigiert werden können. Wurden die Fehler in einer Wiedereinreichung korrigiert, dürfen diese kein Grund mehr zum Ablehnen sein. Natürlich sollten nur wichtige Änderungen vorgeschlagen werden, da jede Änderung die AutorInnen viel Zeit kosten können (z.B. eine Sensitivitätsanalyse um den Einfluss einer Annahme zu überprüfen).

*Probleme, die das Manuskript nicht unpublizierbar machen: Für diese Art von Fehlern muss man keine wissenschaftliche Begründung nennen. Es handelt sich eher um Vorschläge die auf Meinungen basieren. Diese Meinungen dürfen kein Grund sein, die Publikation abzulehnen. Ultimativ sollte der Artikel entsprechend der Meinung der AutorInnen erscheinen, und nicht nach der Meinung der ReviewerIn.

Auf Basis des Absatzes zur Relevanz und den Absätzen zu den Fehlern ist es dann relativ einfach, die Empfehlung “Accept”, “Revise and Resubmit” oder “Reject” zu geben. In der Praxis ist natürlich alles nicht ganz so einfach wie im Konzept von Berk, Harvey und Hirshleifer. Die klare Struktur hilft aber zumindest mir, mich auf das wesentliche zu konzentrieren. Und ich glaube auch AutorInnen und EditorInnen profitieren von einer solchen einfachen und klaren Struktur.

 

Meiner Meinung nach kann man in einem Review auch erwähnen, an welche Guidelines man sich gehalten hat. Das hilft Standards zu verbreiten und zeigt, dass man den Review ernst genommen hat.

 

Literatur:

Berk, Jonathan B, Campbell R. Harvey and David Hirshleifer. 2017. "How to Write an Effective Referee Report and Improve the Scientific Review Process." Journal of Economic Perspectives, 31(1): 231-44. DOI: 10.1257/jep.31.1.231

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Kategorie: Sonstiges

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1 Kommentare

Ulrich Morawetz

08. Januar 2016

Ich freu mich über Kommentare und Links zu anderen empfehlenswerten Guidelines für Reviews!