Integrative Gartenarbeit mit Flüchtlingen

Yesra Issak, Georg Wiesinger, Fritz Neuhauser, Sigrid Egartner

 

Seit 2015 wurde Österreich zu einem der bedeutendsten Aufnahmeländer für Flüchtlinge aus dem Nahen und Mittleren Osten (hauptsächlich aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Iran). Beinahe 90.000 Personen stellten in diesem Jahr einen Asylantrag, darunter 8.277 unbegleitete Minderjährige unter 18 Jahren (BMLFUW 2016, Dursun & Sauer 2016).

Diese Flüchtlinge erfahren in ihren Herkunftsländern und auf dem Weg nach Europa viel Leid und Entbehrung. Das Wichtigste, das diese häufig sehr stark traumatisieren Menschen suchen, sind Sicherheit und Schutz für sich selber und ihre Familien.

Die größte Herausforderung für die Flüchtlinge ist die Integration in eine neue Gesellschaft, ein Vorgang der meist sehr lange dauert. Dazu kommt, dass alleine schon aufgrund der großen Anzahl die Abwicklung der Asylanträge sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Viele warten Monate, wenn nicht mehr als ein Jahr in der Grundversorgung. Solange keine Entscheidung gefällt wurde, dürfen und durften sie bislang nur in wenigen ausgewählten Bereichen (z.B. als SaisonarbeiterInnen) arbeiten (auch wenn von der Politik dieses Verbot zurzeit intensiv diskutiert wird). Es fehlt an sinnvollen Aktivitäten, die einerseits eine Tagesstruktur schaffen und andererseits die soziale Integration vorantreiben könnten.

Die zentrale Hypothese der vorliegenden explorativen Studie lautet, dass Flüchtlinge sich über gemeinsame Aktivitäten in Gärten, über einen intensiven Austausch mit der lokalen Bevölkerung und den damit verbundenen interkulturellen Erfahrungen, rascher in die Gesellschaft integrieren. Die empirischen Grundlagen ergeben sich aus den konkreten Erfahrungen des Projekts IGOR (Integrationsarbeit und Gesundheitsförderung im öffentlichen Raum), welches auf dem Gelände des ehemaligen größten Wiener Pflegeheims, dem „Geriatriezentrum am Wienerwald“ in Lainz, einem Bezirksteil des 13. Wiener Gemeindebezirks Hietzing im Jahr 2014 entstand. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Förderung von gärtnerischen Aktivitäten, aber auch anderen Tätigkeitsbereichen, welche die Integration in die lokale Gemeinschaft unterstützen.

Der Beitrag gliedert sich in folgende Abschnitte. Im ersten Kapitel sollen die historischen Entwicklungsstränge der interkulturellen Gartenarbeit und Gartenarbeit mit Flüchtlingen kurz skizziert werden. Im zweiten und dritten Kapitel werden die Hintergründe und die Entstehungsgeschichte sowie das Gartentherapieprojekt des Vereins IGOR beschrieben. In Kapitel vier und fünf werden die Zielsetzungen, Methodik und Rahmenbedingungen der Studie präsentiert. Im sechsten Kapitel werden die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert, im abschließenden Kapitel wird ein kurzes Resümee über Grenzen und Perspektiven von Gartenarbeit mit Flüchtlingen gezogen.

 

Link zur Studie:

http://www.agraroekonomik.at/fileadmin/download/Integrative_Gartenarbeit_mit_Fluechtlingen.pdf

 

Foto - Copyright: Monika Schulz

 

 

 

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Kategorie: Besprechung Artikel und Bücher

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