Gibt es einen Zusammenhang zwischen Agrarpreisen und dem Rohölpreis?

von Franz Sinabell und Ulrich Morawetz

Angesichts der niedrigen Agrarpreise in Europa und weltweit stellt sich die Frage, ob dies die Folgewirkung niedriger Rohölpreise ist, oder ob dies ein Zufall ist. Die Antwort ist von Bedeutung, da sich daraus Schlussfolgerungen ableiten lassen über die Möglichkeiten und Schwierigkeiten, Agrarpreise zu prognostizieren.


Bereits im August 2013 haben wir (Kapitel 3.1.5 in Sinabell, Morawetz und Holst, 2014) diese Frage untersucht. Im Vordergrund stand dabei der Zusammenhang zwischen Verbraucherpreisen für Lebensmittel in Österreich und dem Rohölpreis. Im Zuge der Untersuchung wurden wir auf folgenden Zusammenhang aufmerksam:

  • Es besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen Rohölpreisen und dem Food-Price-Index (FPI) des IWF: Ändert sich der Rohölpreis um 10%, so ändert sich der Preisindex für international gehandelte Nahrungsmittel um 6% in die gleiche Richtung.
  • In weiterer Folge konnte ein schwacher aber signifikanter Zusammenhang des FPI und des VPI für Lebensmittel in Österreich identifiziert werden.


Zur Erklärung der Zusammenhänge zwischen VPI in Österreich, FPI und Rohölpreisen auf Weltmärkten wurde ein von Davidson (Davidson et al., 2012) entwickelter Ansatz gewählt. Die statistischen Tests haben ergeben, dass es zwei aufeinander wirkende Gleichgewichtsrelationen gibt. Erstens, der Zusammenhang zwischen Rohölpreis und dem FPI: Eine Preissenkung von Rohöl um 10% hat eine Preissenkung des Indexes für international gehandelte Lebensmittel um 6% zur Folge. Bei dieser Relation wurde zwischen dem Zusammenhang vor und nach 1999 unterschieden, da um diese Zeit die energetische Nutzung von Lebensmitteln in den USA begann. Ein direkter Zusammenhang zwischen Rohölpreisen und VPI für Lebensmittel in Österreich ist nicht feststellbar. Es gibt jedoch schwache aber statistisch signifikante indirekte Auswirkungen über die internatioalen Märkte für Agrargüter (gemessen am FPI des IWF).


Der starke Zusammenhang zwischen Rohölpreisen und international gehandelten Rohstoffen für Lebensmittel hat verschiedene Implikationnen. Eine wichtige Folge ist jedenfalls, dass längerfristige Prognosen von Preisen auf Agrargütermärkten kaum möglich sind. Da die Rohölpreise von einer kleinen Gruppe von Marktteilnehmern willkürlich beeinflusst werden können, sind sie nicht ein Maß für Knappheit, sondern eine Größe, die manipuliert wird. Auf den Märkten für Agrarrohstoffe sind derartige Manipulationen durch eine kleine Zahl von Akteuren kaum möglich. Auf diesen Märkten würden also vor allem Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. - Wäre da nicht dieser enge und starke Zusammenhang von Rohölpreisen und Lebensmittelpreisen.

 

Quellen:
Davidson, J. Halunga, A. Lloye T.A., McCorriston S. und Morgan C.W., 2012, Explaining UK Food Price Inflation. Working Paper No.1 Transparency of Food, Pricing TRANSFOP Project.
Sinabell, F., U. Morawetz, C. Holst, 2014, Auslandskomponente österreichischer Lebensmittel. Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Bundesministeriums für Wirtschaft, Jugend und Familie und des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft. Wien 2014. Online verfügbar unter: http://www.wifo.ac.at/publikationen?detail-view=yes&publikation_id=50911
IMF, 2016, IMF Primary Commodity Prices, http://www.imf.org/external/np/res/commod/index.aspx

Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut, HWWI-Rohstoffpreisindex; WIFO-Berechnungen. International Monetary Fund (IMF), Commodity Prices (http://www.imf.org/external/np/res/commod/index.asp)

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Kategorie: Analysen

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