Durch welche Märkte werden Preise von Agrargütern und Nahrungsmitteln in Österreich beeinflusst?

Ein Beitrag von Franz Sinabell und Ulrich Morawetz

Fragestellung Methode

Die Preistransmissionsanalyse dient zur Aufdeckung von Zusammenhängen zwischen Preisentwicklungen auf verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette und verschiedenen Märkten. In der hier vorgestellten Preistransmissionsanalyse wird untersucht, wie stark die Auswirkung einer Preisänderung die auf einem Markt beobachtet wird (z.B. Deutschland), sich auf einem anderen (Österreich) auswirkt (horizontale Preistransmission).

Um kausale Zusammenhänge zu schätzen, ist es notwendig in einem Modell alle Einfluss  nehmenden Variablen und Einflüsse zu berücksichtigen. Dies ist für einzelne Produkte aufgrund von produktspezifischen Marktcharakteristika bei kurzen Beobachtungszeiträumen schwer möglich. Für einzelne Märkte kann jedoch zumindest der statistische Zusammenhang zwischen den Entwicklungen von Preisen quantifiziert werden. Somit kann gezeigt werden, ob und in welchem Ausmaß sich die Preise von Verbrauchsgütern ähnlich verhalten wie die Preise von Agrargütern.

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Der Einfluss ausländischer Erzeugerpreise auf österreichischer Erzeugerpreise

Für ausgewählte Agrargüter wurde untersucht, ob es zwischen den österreichischen Erzeugerpreisen und den Erzeugerpreisen anderer EU Länder eine konstante Beziehung gibt. Die Analyse konzentriert sich dabei auf die größten Exportländer der EU. Bestehen solche Abhängigkeiten, kann argumentiert werden, dass ein österreichischer Erzeugerpreis vom Ausland bestimmt wird. Zur ökonometrischen Untersuchungen wurde eine große Anzahl von Preiszeitreihen verschiedener Produkte auf vielen Märkten herangezogen. Ausgewählte Ergebnisse werden hier vorgestellt, die vollständigen Ergebnisse sind im Kapitel 3 von Sinabell, Morawetz und Holst (2014) dokumentiert. Die zugrundeliegenden Daten wurden dem Commodity Price Dashboard der Europäischen Kommission entnommen (vgl. ec.europa.eu/agriculture/markets-and-prices/price-monitoring/index_en.htm).

Für Mahlweizen, der zum Brotbacken verwendet wird, ist die österreichische Erzeugerpreis-entwicklung sehr ähnlich zu jener in Deutschland. Im Beobachtungszeitraum 1997-2013 führte ein Preisanstieg von 10% der Erzeugerpreise in Deutschland langfristige zu einem Preisanstieg der Erzeugerpreise in Österreich von 10.2%. Die Preistransmission von französischen und italienischen Mahlweizenpreisen auf österreichische Erzeugerpreise war auch sehr stark ausgeprägt (+ 9.2% bzw. +13.1% des österreichischen Preises bei einer 10% Veränderung). Die Ergebnisse legen nahe, dass die Preise der Agrargüter in allen untersuchten Ländern von einem globalen Shock in sehr ähnlicher Weise beeinflusst werden.

Die Preisbeobachtungen zeigen für Futtermais ebenfalls sehr starke Zusammenhänge auf. Für Italien, Frankreich und Österreich kann die Hypothese einer vollständigen Preisweitergabe nicht verworfen werden.

Beim Erzeugerpreis für Masthühner und Mastkälber können ebenfalls Einflüsse der Erzeuger-preise anderer EU Länder identifiziert werden. Die Zusammenhänge sind aber nur für Mast-kälber stark ausgeprägt. Österreichische Erzeugerpreise sind nahezu identisch mit jenen in Deutschland. Für den Beobachtungszeitraum kann die Hypothese einer vollständigen Preis-weitergabe für Mastkälber nicht verworfen werden.

 

Quelle:

Sinabell, F., U. B. Morawetz und C. Holst 2014, Auslandskomponente des Lebensmittelmarktes in Österreich. WIFO Monographien, Jänner 2014, 103 Seiten. Online verfügbar unter: www.wifo.ac.at/publikationen

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Kategorie: Aktuelle Forschungsprojekte

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